Amazonas - Waldlanzenotter

Bothriopsis bilineata bilineata ( WIED - NEUWIED 1821 )

Die Waldlanzenotter stand genauso wie die Greifschwanz - Lanzenotter (Bothriechis schlegelii) nie auf meiner Wunschliste der Schlangen, die ich halten wollen würde. Doch Dank verschiedener Umstände durfte ich ein Pärchen dieser Art vorübergehend pflegen, bis ich letztendlich mein eigenes Pärchen ein Jahr später gekauft habe. Diese Art bereitet mir beinahe von allen baumbewohnern die meiste Freude. Die Tiere haben einen tollen Charakter und sind sehr dankbare Pfleglinge. Dennoch eine etwas heiklere Art die viel Feingefühl erfordert. 

Diese  Art ist einfarbig hellblau mit einem leichten hellgrün an den Flanken gefärbt. Charakteristisch sind die goldgelben, leicht orangefarbenen kleinen Streifen oder Flecken auf dem gesamten Körper der Wirbelsäule entlang, sowie der markante Streifen hinter dem Auge. Die Augenfarbe ist gelbgrün, die Bauchseite hellgelb bis weiß, ebenfalls die Lippenschuppen. Die Schwanzspitze ist weiß.

In freier Natur findet man die Waldlanzenottern in den Amazonas - Gebieten von Kolumbien, Brasilien, Ecuador, Peru und Bolivien, Guyana und Surinam. Es existiert sogar eine isolierte Population auf Ostbrasilien. Sie leben in Küstenwäldern, sowie in Büschen und Sträuchern, in Bäumen dicht bewachsener tropischer Vegetation. Häufig findet man sie in Gewässernähe.

Die Waldlanzenotter ist eine lange schlanke, aber dennoch kräftige baumbewohnende Vipernart, die eine Gesamtkörperlänge zwischen 80 - 120 cm erreicht. Der Kopf ist im Vergleich zu anderen Arten etwas größer. 

Die Aktivitätsphase der Tiere findet wie bei den meisten Arten in der Dämmerung oder in der Nacht statt. Ähnlich wie beim Grünen Baumpython (Morelia viridis) besitzt die Waldlanzenotter eine interessante Methode potenzielle Beutetiere anzulocken. Sie bewegt ihre Schwanzspitze in eleganten Bewegungen hin und her und immitiert somit einen Wurm/Raupe. Als Beutetiere jagt sie Frösche, Echsen, Vögel und Nagetiere geeigneter Größe. Sie jagen ihre Beute nicht aktiv, sondern sie sind ebenfalls Lauerjäger und verweilen an einer Stelle bis ein Beutetier vorbeikommt. 

Die Schlangen sind lebendgebärend und ein Wurf kann bis zu 9 Jungtiere beinhalten. In freier natur halten sich Jungschlangen immer in gewässernähe auf, da kleine Frösche eines ihrer Hauptnahrungsuelle darsellt.

 

Wer sich für diese Art entscheidet, sollte meiner Meinung nach unbedingt vergesammelte Erfahrungen mit anderen beumbewohnern haben. Von den klimatischen Bedingungen, sowie des Lebensraumes kann man sich in etwa an der Greifschwanz - Lanzenotter (Bothriechis schlegelii) orientieren. Ich halte meine Tiere bei temperaturen zwischen 25 und 28 °C, im Hochsommer bis zu      30 °C. Ich sprühe die Tiere jeden oder jeden zweiten Tag, da sie bei jeden Sprühen viel Wasser aufnehmen und oft sofort anfangen zu trinken. Wichtig ist auch hier auf eine ausreichende Belüftung zu achten, damit keine Staunässe entsteht. Als Babys halte ich sie in kleinen Aufzuchtboxen. Ich habe mir eine weitere Aufzuchtbox als "Trinkbox" eingerichtet (Kletterleiter, kein Zewa oder Erde). Ich setze die Babys gerne in diese Box zum Betröpfeln mit Wasser, bis sie keinen Durst mehr haben. Trinken diese Tiere nicht ausreichend, können sie schnell dehydrieren. 

 

Jungtiere können anfangs sehr mühsam sein was die Fütterung angeht. Wenn man ihnen das Futter einfach vor die Nase hebt und leicht wackelt, interessiert sie das recht wenig. Zumindest war das bei meinen Tieren so. Ich musste sie teilweise minutenlang mit dem Futter antippen (am besten hatten sie reagiert in den ersten 3 - 5 cm hinter dem Kopf seitlich am Hals) bis sie endlich zupackten. Das Männchen wollte anfanmgs nie so wirklich fressen, aber wenigstens hatte er immer gefressen nachdem ich ihm das Futter behutsam ins Maul legte. Beim vierten Versuch ihm Futter anzureichen hat er endlich selbstständig gefressen. 
Auch bei den einjährigen Tieren, die ich hier habe hat es sich bewährt sie mit dem Futter immer etwas anzutippen. Wer all das berücksichtigt und Geduld hat mit dieser Art, wird viel freude am Ende haben und sehen, wie toll sie sich entwickeln. 

 

Über das Gift ist noch nicht sonderlich viel bekannt. Es soll zu Störungen der Blutgerinnung führen und auch Fibrogenasen wurden im Gift gefunden. Ein Bissunfall sollte generell medizinisch beobachtet und behandelt werden und grundsätzlich als kritisch betrachtet werden. 

Sonstige Giftschlangen:

 

Trimeresurus trigonocephalus

Trimeresurus venustus

Bothriopsis bilineata bilineata

Parias sumatranus

Trimeresurus insularis "blue"

Bothriechis schlegelii

Crotalus oreganus helleri

 

 

Informationen über diese Giftschlangen erhalten Sie unter:

 

SONSTIGE GIFTSCHLANGEN

Bothriopsis bilineata
Parias sumatranus
Trimeresurus insularis "blue"
Crotalus oreganus helleri
Bothriechis schlegelii